Continental Bulldog AllieWir Menschen neigen manchmal dazu, die Dinge zu verkomplizieren. Und gelegentlich kann man das auch im Umgang mit unserem geliebten Continental Bulldog beobachten mit dem Ergebnis, dass das Hundchen nicht das Leben lebt, welches für sein Wohlbefinden zuträglich ist. Dabei ist es ganz einfach, das Leben eines Hundes artgerecht zu gestalten, denn so viel braucht es dazu gar nicht.

 

Nervensystem und Hormonhaushalt des Continental Bulldog ist entscheidend

Ein Säugetier – so auch der Continental Bulldog (bei uns Menschen ist es genauso) – wird gesteuert durch sein Nervensystem und dem Hormonhaushalt. Diese Komponenten sind zuständig für die Gefühlswelt des Continental Bulldogs, welche sich dann in seinem Verhalten äußert. Logisch erscheint daher, dass ein ausgeglichener Hormonhaushalt Grundlage für das Normalverhalten eines Lebewesens ist. Das wiederum ist ganz einfach zu realisieren – ein natürlicher, artgerechter Tagesablauf kann dies gewährleisten. Doch wie sieht dieser aus?

 

Natürlicher Tagesablauf bei freilebenden Caniden

Schaut man sich in der Natur um und legt den Tagesablauf eines freilebenden Wolfes, Fuchses oder auch Straßenhundes zu Grunde, kann man eine Verhaltensstruktur erkennen, die sich – mit wenigen Ausnahmen – wiederholt: Zum einen durchstreift der Canide sein Revier und nimmt dabei bekannte Pfade, die er abwechselnd benutzt. Dies tut er langsam und ruhig, damit er auch ja nichts verpasst, z.B. Nahrung, Wasser oder Beute. Während dessen schnüffelt er nach fremden Durftmarken und markiert seinerseits das Revier. Meistens erfolgt diese Aktivität solitär und nicht im Rudel (Rudel=Familie), da dies Vorteile für ein unentdecktes Jagen mit sich bringt und dem Individuum das selbständige Entwickeln von Problemlösungsstrategien abverlangt. Selbstständig und allein Probleme bzw. Hürden zu nehmen, entwickelt das Selbstbewusstsein des Tieres. Nur gelegentlich werden solche Streifzüge auch im Rudel durchgeführt, was dem Nachwuchs zum Lernen Gelegenheit geben soll. Nach seinem Streifzug und dem Beutemachen erfolgt die Zerkleinerung der Nahrung und die Nahrungsaufnahme.

Ein weiterer Aspekt in einer solchen Tagesstruktur ist das Bewachen des Kernterritoriums, was ganz besonders wichtig in der Welpenaufzuchtsphase ist. Ebenso wird mit anderen Familienmitgliedern interagiert, d.h. gespielt, beknabbert, beleckt und gekuschelt, was die Ausschüttung von Hormonen begünstigt, die den adäquaten Stresspegel, der durch die voranstehenden Aktivitäten entstanden ist, wieder senkt.

Der (Stress-)Hormonhaushalt gleicht weiterhin dadurch aus, das der Canide schläft und ruht, was im Tagesablauf den deutlich größten Anteil einnimmt.

 

Der Hund ist kein Wolf mehr?

Diese Frage wird sehr kontrovers diskutiert und daran schließt sich an, ob ein Hund, z.B. ein Continental Bulldog, anders durch den Tag zu manövrieren ist.

Das Interessante dabei ist, dass beobachtet werden kann, dass freilebende Hunde – selbst wenn es sich um Rassehunde handelt – eine ähnliche Tagesstruktur wie ein Wolf haben, sobald sie ihren Tagesablauf selbst bestimmen können. Und das darf uns Hundehalter zu denken geben und als Richtschnur dienen.

Eine zugrundeliegende Annahme ist, dass der Hund (noch) keine eigenständige Art darstellt und noch die gleichen Grundbedürfnisse hat wie sein genetischer Vorfahre, der Wolf.  Der wesentliche Unterschied dieser Unterart zum Urvater Wolf besteht möglicherweise darin, dass ein Hund die gleichen Bedürfnisse in DIFFERENTER AUSPRÄGUNG (hervorgerufen durch Züchtung bzw. Selektion) hat. Insbesondere sind die Fähigkeiten eines Hundes in seinem Sozialverhalten sehr verschieden gegenüber dem Wolf, soll heißen: Ein Hund kann auch mit anderen Hunden klarkommen, die nicht zur Familie/Rudel gehören. Die Betonung liegt dabei auf „kann“…

Folgt man dieser Theorie, die durch die Beobachtung bei freilebenden Hunden – selbst, wenn es sich dabei um Rassehunde handelt – bestätigt werden kann, so ist man als Hundehalter gut beraten, wenn man den Tagesablauf seines Hundes an den von Wölfen oder freilebenden Hunden anpasst.

 

Simulation des wölfischen Tagesablaufs

Und was bedeutet das nun für den Hund und speziell den Continental Bulldog? Keine Angst, man soll seinen Hund nicht einfach freilaufen und machen lassen, was er gerade für richtig hält, so wie man es früher häufig und gelegentlich heute noch auf einigen Dörfern beobachten kann. Bye the way: Aus Sicht des Hundes und seiner Gesundheit und Ausgeglichenheit wäre es gar nicht so schlecht, nur es passt eben nicht mehr in unsere Gesellschaft. Daher dürfen wir Hundehalter für adäquaten Ausgleich sorgen. Und dieser Ausgleich ist sehr einfach herzustellen.

Ein wesentlicher Aspekt dabei ist – wer hätte es gedacht – der gemeinsame Streifzug durch das Revier, bevorzugt an der Leine. Dabei darf man wechselnde Gassiwege benutzen, gelegentlich auch mal außerhalb des eigenen Reviers. Man darf seine/n Hund/e schnüffeln lassen, damit diese/r in den Genuss der damit verbundenen und sehr wichtigen energieverbrauchenden Informationsverarbeitung im Gehirn kommt. In der Hundebeschäftigung ist Nasenarbeit die wichtigste Form des Arbeitens.

Natürlich ist damit auch das Markieren verbunden und absolut erlaubt – und zwar ALLEN Hunden. Es ist ein Trugschluss, dass bei Hundeartigen nur ein „ranghöchster“ markieren darf. Markierungen gelten immer Außenstehenden, nicht jedoch der eigenen Familienmitglieder und hat auch nichts mit Dominanz zu tun. Ganz im Gegenteil, das Markieren ist wichtig für das Selbstvertrauen und fördert damit ruhiges und ausgeglichenes Verhalten.

Ein Hund darf sich natürlich auch mal austoben, wenn er dazu das Bedürfnis verspürt. Dies darf bitte kontrolliert ablaufen und ein Eingreifen muss jeder Zeit möglich sein.

An dieser Stelle auch eine Bemerkung zu Hundespielwiesen u.ä.: Diese bitte meiden! Der Hund sollte nur mit anderen Hunde-Kumpeln spielen, bei denen man genau sicher ist, dass sich der Continental Bulldog mit ihnen versteht. Es ist häufig nicht sofort zu erkennen, ob es sich wirklich um Spiel handelt oder um eine Vorstufe von bzw. der Weg in die Aggression. D.h., wenn man dies nicht erkennt und zulässt, kann das in einen dauerhaft gesteigerten Erregungszustand und entgleisten Hormonhaushalt münden, was den Hund auf lange Sicht psychisch krankmacht. Verschlechterung in der Impulskontrolle bzw. Absenkung der Reizschwelle und verstärktes Aggressionsverhalten, Wut oder Angst sind unter Umständen die Folge und je nach genetischer Prädispositon, kommt es ggf. auch zu einer Depression. Ungeachtet dessen darf ein richtig erkanntes Spielen dosiert verlaufen, ein Hochpushen ist zu vermeiden, denn auch hier gilt: Aus Spaß wird manchmal ganz schnell bitterer Ernst! Ein verhaltensauffälliger Hund entwickelt sich in aller Regel schleichend (von Traumen mal abgesehen), in dem solche Vorfälle gehäuft vorkommen bzw. zugelassen werden.

Welchen Umfang man für Reviergänge in den Tagesablauf einplanen sollte, ist selbstverständlich abhängig von der Rasse und auch von der Individualität des Hundes. Für einen ausgewachsenen Continental Bulldog ist ein Richtwert von 1,5 bis 2 Stunden täglich sicherlich ein guter Ansatz zum Ausprobieren und dann gleitenden Adaptierens. Hier darf man ergänzen, dass es auch mal einen Tag ohne ausgiebige Streifzüge geben darf, selbst freilebende Caniden haben ganze Ruhetage, was abhängig vom Nahrungsangebot ist.

Wenn man mit seinem Continental Bulldog vom Revierstreifzug (Gassigang) zurück ist, simuliert man die Bearbeitung von Beute. Das kann recht einfach umgesetzt werden. Beschäftigen kann man den Continental Bulldog mit einem Futter-Kong oder ähnlichem Spielzeug. Auch ein großer Kauknochen kann gute Dienste leisten.

Die zeitlich umfangreichste Komponente im Tagesablauf eines Hundes ist das Ruhen und Schlafen. Der Organismus darf sich in diesen Phasen einerseits körperlich erholen, andererseits ist damit auch eine psychische Erholung verbunden, die mindestens genau so großer Beachtung unterliegen darf. Im Klartext heißt das: es ist absolut normal, wenn ein Hund 15 – 20 Stunden schläft bzw. ruht. Man lässt Ihn möglichst seinen eigenen Ruheplatz selbst finden und wenn er sich dort aufhält und ruht oder schläft, lässt man seinen Continental Bulldog einfach in Ruhe und gibt ihm und seinem Organismus – insbesondere seinem Nerven- und Hormonsystem – die Zeit, um Anpassungen in Richtung Entspannung vorzunehmen. Und mit Ruhe ist auch ABSOLUTE Ruhe gemeint. Das ist auch schon alles, was ein Hund WIRKLICH braucht…

 

Und wie bedient man das Jagdbedürfnis?

Gar nicht! Jagen ist kein Bedürfnis, sondern ist nur Mittel zum Zweck, um das Bedürfnis nach Nahrung zu stillen. Da wir Menschen dies zwischenzeitlich für die Hunde übernommen haben – also für Ihre Nahrung sorgen – ist Jagen nicht notwendig. Wenn man seinen Hund alternativ mit Nasenarbeit beschäftigt, ist das aus Sicht des hormonellen uns somit psychischen Gleichgewichts absolut ausreichend.

Hingegen sind Aportierspiele, Bällchen oder Stöckchen werfen, Frisbee und ähnliches kontraproduktiv und haben ebenfalls den Effekt, dass sich die Impulskontrolle und Reizschwelle negativ entwickeln und die o.g. Effekte fördern.

Sicherlich darf man bemerken, dass es der eine Hund besser verkraftet als der andere und Rasseunterschiede ebenso einen Einfluss haben können. Ein Australien Shepard kann durch solche Spiele sehr schnell zum Ball-Junkie werden und sehr auffällige Verhaltensweisen entwickeln. Und auch bei einem Jagdhund sind Jagd-Aktivitäten oder Spiele mit hohem Erregungsniveau eher tabu. Insofern darf man als Halter genauer hinschauen. Unter dem Aspekt eines ausgeglichenen Hundes, ist von solchen Dingen tendenziell eher abzusehen.

 

Sportarten wie z.B. Agility

Auch hier gilt: Der Hund – isoliert betrachtet – benötigt so etwas grundsätzlich nicht. Solche Aktivitäten dienen in erster Linie dazu, dass man als Halter mit seinem Hund etwas unternimmt bei dem beide gemeinsam „arbeiten“. Hierbei geht es zuvorderst um die Team-Komponente und Bindung zu seinem vierbeinigen Begleiter.

Aber Vorsicht: das kann schnell nach hinten losgehen, wenn solche Sportarten die Leistung in den Vordergrund stellen, was in aller Regel dann passiert, wenn dabei ein Halter egoistische oder gar egozentrische Motive hat, die ein Hund erfüllen soll aber vielleicht nicht erfüllen kann. Die Folge ist dann, dass der Spaß verloren geht und einen hohen Tribut fordert, indem weiterer Distress entsteht. Ein Teufelskreis beginnt…

Wenn man also Sport mit seinem Hund ausüben möchten, sollte dabei der Spaß im Vordergrund stehen und die Möglichkeit genutzt werden, das Verhältnis und die Bindung zu Ihrem vierbeinigen Freund noch mehr zu stärken und zwar durch positive Gefühle und Ausschüttung von Glücks-Hormonen.

Es versteht sich fast von selbst, dass bei solchen Aktivitäten auf die Schlaf- und Ruhephasen noch stärker zu achten ist, damit sich der Organismus wieder vollkommen entspannen und „runterfahren“ kann.

Ausdauersportarten sind grundsätzlich zu bevorzugen. Zum Beispiel ist gemächliches Laufen/Joggen in niedriger und gelegentlich mittlerer Intensität dem Hormonhaushalt sehr zuträglich. Aber auch hier ist darauf zu achten, dass der positive Effekt nicht ins Gegenteil umschlägt, wenn man dem Hund vielleicht zu viel zumutet, was wiederum von Rasse, Alter, Fitness, klimatischen Bedingungen usw. abhängt. Es gibt grundsätzlich keine festgelegte Prozedur, die man empfehlen kann. Deshalb darf man seinen Hund genau beobachten und darauf achten, wenn dieser Stresssymptome während oder nach der jeweiligen Aktivität zeigt. Diese Beobachtung und das „Bauchgefühl“ des Halters ist letztendlich der Gradmesser dafür, was man seinem vierbeinigen Freund maximal abfordern sollte.

 

Weitere rassebedingte Besonderheiten des Continental Bulldog

Grundsätzlich gilt das oben Genannte. Der simulierte Tagesablauf reicht aus Sicht des Continental Bulldog vollkommen aus. Wenn man aber mit seinem Continental Bulldog sportlich aktiv werden möchten – was viele Vertreter dieser wundervolle Hunderasse recht gut umsetzen können – darf man noch intensiver auf mögliche Stress-Anzeichen achten, z.B. häufiges Hecheln, Bellen, Nervosität, geringe Reizschwelle u.v.m., denn z.B. bei Ausdauersportarten ist ein Bulldog deutlich schneller an seiner Belastungsgrenze als vielleicht ein Italienisches Windspiel. Also – bitte nicht übertreiben und zu gut meinen!

Gleichwohl darf man dem Halter eines Continental Bulldogs folgendes ans Herz legen: Mann darf all jene Aktivitäten weglassen, welche die Impulskontrolle und Reizschwelle verschlechtern können. Beispiele dazu sind weiter oben im Text bereits genannt worden. Hierzu zählen aber auch sogenannte „Zerrspiele“, die bei der historischen Prädisposition der Rasse nicht- bzw. sehr schwer-reversible Schädigungen und Verhaltensauffälligkeiten entstehen lassen können, wenngleich dies zumeist schleichend geschieht.

Und last but not least: Die Zucht des Continental Bulldogs ist in den letzten Jahren sehr weit fortgeschritten. Einige Wesensmerkmale wurden schon sehr stark verändert. Vergessen sollte man jedoch nicht, wofür der Bulldog ursprünglich mal gezüchtet wurde. Insofern ist bei der Auswahl von Hundekumpels bzw. Spielkameraden genauestens hinzuschauen und auf Entspannung bzw. Stresssymptome zu achten. Zwingen sollte man seinen Conti nicht, mit anderen Hunden zusammen zu sein, wenn man bemerkt, dass es dem Hündchen und somit auch den anderen Hunden und auch den Haltern nicht gut tut.

 

Fazit

Es braucht nicht viel, um einen ausgeglichenen Cotinental Bulldog an seiner Seite zu haben. Beachtet man die Grundlagen des Daseins eines Caniden, ist man schon auf der richtigen Spur. Und wenn man dann noch die wenigen rassetypischen Besonderheiten und seine Historie beachtet, werden der Continental Bulldog und sein Herrchen ein entspanntes und glückliches Leben führen.

 

 

 

 

 

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